Reise 06 Übersicht

 

Vorfreude
Malmö
In Stockholms Schären
Stockholm
Hedesunda
Wildnis
Vilhelmina und der 3000ste Kilometer
Arvidsjaur: Draisinenfahrt
Arvidsjaur: Achtung Bahnübergang!
Jokkmokk
Muddus-Nationalpark
Porjus: Heja Volvo…
Porjus: Mücken…
Kiruna: Eisenerz-Bergwerk
Alta: Schlangenbrot

Reisetagebuch in Meilensteinen
7. Juli bis 2.Oktober 2006

 


Vorfreude

Als einige unserer Freunde vor schon bald Jahren eine mehrmonatige Reise mit ihren vorschulpflichtigen Kindern planten, dachten wir bei uns, das machen wir auch – aber später. Die Kinder müssen in der Schule sein, damit sie später mehr davon haben werden. Dieses «später» wurde für uns fast zu spät. Irgendwann realisierten wir: wenn wir wirklich noch auf Reisen gehen wollen, müssen wir das jetzt anpacken. Das war vor zwei Jahren. Denn der beste Zeitpunkt wäre der Sommer 2005 gewesen, die Kinder wären zu dieser Zeit in der 3. und 4. Klasse gewesen. Leider ging das wegen Daniels Berufssituation nicht, so mussten wir diese Reise um ein Jahr verschieben. Ja, jetzt freuen wir uns eben schon lange auf diesen nächsten Sommer.

Lange wurde in unserer Familie diskutiert, wo es denn während dieser drei Monate hingehen soll: Plakate mit Bildern aus Kanada, Australien und Skandinavien hingen während Monaten bei uns im Eingang. Welche Destination macht das Rennen? Wir entschieden uns für Skandinavien, sehr zum Leidwesen von Rafael. Er wollte unbedingt nach Australien...

Weshalb Skandinavien denken wohl viele; «dort regnet’s doch immer und ist kalt»...

Klar, mit dem Süden kann man diese Gegend nicht vergleichen. In den Reiseführern steht sogar geschrieben, dass ab Anfang September mit frostigen Nächten gerechnet werden müsse. Aber uns interessiert im Moment nicht das Wetter, vielleicht nach langer Regenphase dann doch... Wir wollen die Mitternachtssonne sehen, die Natur und die Einsamkeit in Lappland erleben und natürlich auch paddeln – in den Schären Stockholms und auf anderen Gewässern. Skandinavien ist ein riesiges Gebiet. Allein die Reise bis Stockholm ist 1800 Kilometer lang, und Stockholm ist noch nicht in der Mitte Skandinaviens. Wir denken, mit drei Monaten werden wir wirklich genug Zeit haben, auch etwas von den Ländern Schweden, Norwegen und evtl. Finnland zu sehen, und diese nicht einfach nur zu durchqueren.

Letzten Herbst hiess es dann Wohnmobil suchen und mieten, Urlaubsgesuche eingeben. Seit Januar sind all diese Hürden genommen. Jetzt muss nur noch der Sommer kommen... Ha, und das bei diesem letzten Winter!

Also: Lust auf eine Reise mit Chäsis nach Skandinavien?

Lasst euch mit unserem untenstehenden Tagebuch verführen...

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Malmö

Da sind wir nun, ganz im Süden vom hohen Norden – in Malmö. Am Samstag gegen Mittag wars endlich soweit. Jedes Ding, das mit auf die Reise musste, hat seinen Platz gefunden. Am Schluss haben sogar wir noch ein Plätzchen gefunden und los gings. Via Zürich – Schaffhausen erreichten wir bald einmal Deutschland  und am späten Nachmittag waren wir an unserem ersten Ziel, Herrenberg bei Stuttgart: Besuch bei meiner Schwedischen Grossmutter im Altersheim vor ihrem Abendbrot (um 17.00 Uhr). Danach gings mit Durchschnittstempo 90 Stunde um Stunde, Fahrerwechsel um Fahrerwechsel auf der Autobahn nordwärts. Würzburg – Kassel – Göttingen – Hannover – Hamburg – Travemünde. Bis wir am Sonntagabend Puttgarden erreichten. Die Fähre brachte uns von dort aus am Montagmorgen nach Rödby, Dänemark. Seit gestern nun sind wir in Malmö – haben die ersten 1200 km und die gigantische Öresundbrücke hinter uns – besuchen hier eine Freundin und organisieren, was es für die Weiterrreise in Skandinavien noch zu organisieren gibt. Zum Beispiel Gas: Da unsere deutschen Gasflaschen nicht mit den Schwedischen kompatibel sind, mussten wir uns bereits daheim entscheiden, wie wir während unserer Reise heizen wollen – momentan ist das zwar kein Thema, es ist recht warm.

  • Nehmen wir drei deutsche Gasflaschen mit, mit dem Risiko, dass das nicht reichen würde?
  • Kaufen wir einen Stromerzeuger, und nehmen ein kleines elektrisches Heizöfelchen mit?

Oder als letzte Variante, für die wir uns nach langem Zögern entschieden haben, nehmen wir nur eine deutsche Gasflasche mit und suchen in Schweden als erstes eine Schwedische Gasflasche und ein Adapterstück für unser deutsches System? (EU-EU-Kompatibilität…) Und siehe da, es hat geklappt. Am ersten Ort, wo wir mit unserem Anliegen anklopften, hatten wir Erfolg.

Jetzt geniessen wir ganz einfach etwas Ruhe in Malmö, verbringen die Zeit mit Baden, Faulenzen und die Stadt erkunden.

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In Stockholms Schären

Fast eine Woche ist es her, seit wir in Stockholms Schären festsitzen. Nicht etwa, weil unser Camper nicht mehr will –  sondern, weil es uns hier so gut gefällt. Etwa 24000 Inselchen zählen die Schären um Stockholm, teils unbewohnt – in Stockholms Nähe fast nur bewohnt. Fast jedes Inselchen, auch wenn es nur ein paar Quadratmeter gross ist, wird von einem Stockholmer mit einem Ferienhäuschen und einem Bootssteg bewohnt. Diese Wochenendhäuschen sind in typischem schwedischen Stil – rot-weiss – gebaut. Die schwedische Flagge darf dabei nicht fehlen.

Zuerst verbrachten wir einige Tage in Nynäshamn, im südlichen Teil der Schären. Von dort laufen die grossen Fährgesellschaften das Festland (Polen, Estland, Finnland…) an.

Die letzten Tage verbrachten wir in Vaxholm, östlich von Stockholm. Wir verbringen die Zeit mit Baden, Radfahren, Paddeln und Fischen… Rafael hat seinen ersten Fisch aus dem Wasser gezogen, doch mass dieser klägliche 10,15cm – so dass er ihn nach grosser Bewunderung wieder in die Freiheit entliess… Weiter geniessen wir es ganz einfach mit «dolce far niente» und vor allem das schöne, sommerliche Wetter, mit blauem Himmel und weissen Cumuli – Wie lange werden wir wohl noch schwitzen?

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18. Juli
Stockholm

Von Vaxholm unternehmen wir einen Abstecher nach Stockholm. Das Schärenschiff führt uns in dreiviertel Stunden durch unzählige kleine Inselgrüppchen. Schiffe fahren häufiger als Busse. Es herrscht auch auf dem Wasser mehr Verkehr, als auf der Strasse.

Eigentlich wollen wir via Königspalast in die berühmte «Gamla Stan», die Altstadt. Dabei geraten wir als erstes in die wohlinszenierte Wachablösung. Dieses Spektakel können wir uns nicht entgehen lassen. Da sind wir also mitten in den Menschenmassen und versuchen etwas vom Schauspiel mitzubekommen. Daniel mit seinen knapp zwei Metern Höhe hat da klar einige Vorteile… Nach dem letzten Kommando schlendern wir ins Zentrum und mit uns all die Zuschauer von vorhin. Irgendwie fühlen wir uns unter sovielen Leuten nicht so ganz wohl, steuern eine Imbissbude an und stillen unsere müden Waden.

Mit einem der vielen Boote tuckern wir danach durch die Wasserwege zum Vasa-Museum. Die «Vasa» ein Schiff, das 1621 erbaut wurde, sank bei seiner Jungfernfahrt 1500 Meter nach dem Stapellauf in Stockholm. Dreihundert Jahre später fand man ihr Wrak und hob sie unter mühsamsten Umständen an die Wasseroberfläche. Das Schiff war nach so langer Zeit in erstaunlich gutem Zustand, wurde restauriert und ist nun in einem grossartigen Museum zu bewundern.

Leider ist der Tag schon vorbei und ein weiteres Schiff führt uns durch das Inselwirrwarr wieder zurück nach Vaxholm. Kurz: Stockholm mit seinen Wasserstrassen ist wunderschön, eine eigenständige Reise wert.

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20. Juli
Hedesunda

Schweren Herzens nehmen wir Abschied von der lieblich schönen Schärenwelt. Mit der Absicht, nun nordwärts zu ziehen, starten wir. Und tauchen sogleich in eine neue malerische Vegetationszone ein – das Hochmoor. Weit sind wir nicht gekommen, ungefähr 40 Kilometer südlich von Gävle sind wir bereits wieder steckengeblieben, im Hochmoor rund um Sandviken.

In diesem flachen Seengebiet baden wir bei hoch sommerlichen 28 Grad am Schatten. Rafael packt sofort Kanadier und Angelzeug. Anbeissen will zu seinem Leid aber wieder nichts. Er schreibt das der rotbraunen Wasserfarbe des Moorsees zu. Unterwegs begegnen wir paddelnd einem Saunafloss – ein schwimmendes Häuschen mit einem Holzofen und einem Tisch, als Ruheraum. Idyllisch. Die Temperaturen sind aber deutlich zu heiss, dass uns wirklich gelüsten würde…

Hier ist Peter Linke, Kristinas Vater geboren und aufgewachsen. Nun können wir es uns lebhaft vorstellen, wie er uns immer erzählte: Den Sommer soll er im und auf dem See mit Rudern und Baden vebracht haben, den Winter auf dem See – zuerst mit Schlittschuhen, dann  mit Langlaufskiern.

Zum ersten Mal brauchen wir hier «Djungelolja», offenbar d a s Mückenmittel (mit Giftklasse 3) – nur Daniel darf das benützen; bei den Kindern lege ich das Veto ein. Trotzdem fragt sich Daniel, was wohl eher kaputt gehe, seine Haut oder die Mücken – sie kommen immer noch, und zwar zu ihm...

Übrigens: Hedesunda spricht sich wie man es schreibt. Denken wir. Peter Linke hilft uns präzisierend: Hedesünda. Wobei auf dem n von ün verweilt wird, um das Wort dann mit einem kurzen, fast nicht ausgesprochenen a von da abzuschliessen... Eben: Hedesunda!

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23. Juli
Wildnis

Endlich! Ein Plätzchen in der Wildnis, wie wir, vor allem die Kinder, es sich schon von daheim aus erträumt haben. Nur wir, im Irgendwo, in der freien Natur am Wasser, mit Hängematte. Ein traumhaftes Plätzchen finden wir auf dem Weg nach dem südlichen Lappland, wo sich Seen mit Wald und Wald mit Seen abwechseln. Ganz indianerhaft gehen wir holzen. Daniel zerlegt einen Baum, eine Birke, die von einem Biber gefällt wurde. Rafael schleppt mit dem Kanadier das Holz zu unserem Platz. Anschliessend wird Feuer gemacht, wir stellen das Dreibein auf, und Michelle kocht über dem Feuer Teigwaren – das nicht ganz so indianerhaft...

Wir sind deutlich nördlicher als auch schon, so merken wir nicht, wie spät es ist. Abendbrot ist um 22.00 Uhr fertig gegessen, es wird bis fast Mitternacht ohne Licht gejasst – wir erkennen die Karten noch – und um Mitternacht hält Daniel den Kindern eine Zündholzschachtel hin, und sie können den Text darauf lesen… Trotzdem Zeit, die müden Gemüter schlafen zu legen. Um 03.30 Uhr ist wieder Sonnenaufgang…

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24. Juli
Vilhelmina und der 3000ste Kilometer

Der 3000ste Kilometer ist gefahren… Und wo befinden wir uns? Noch lange nicht am Nordkap, noch nicht mal über dem Polarkreis, aber immerhin bereits in Südlappland! Die Landschaft hat sich verändert, sie ist karger und eintöniger geworden. Aber nicht langweiliger. Die Dörfer liegen weiter auseinander, zwischen den Dörfern Wald, Wald und noch einmal Wald, zum Teil sogar zwischen den einzelnen Häusern. Und zur Abwechslung ein See. Schön ist es da. Trotz aller Einsamkeit sieht es hier nach wie vor lieblich und anziehend, einladend aus. Wir geniessen es…

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1. August
Arvidsjaur: Draisinenfahrt

In einem Laden beim Bahnhof konnten wir zwei Draisinen mieten. Die Frau im Laden sprach nur samisch und schwedisch. Darum haben wir uns mit Zeichnungen verständigt. Mit der Hand zeigte sie uns, wo wir die abgestellten Draisinen finden sollten und die Richtung, in welcher wir fahren dürften. Was machen wir, wenn ein Zug kommt? fragten wir uns. Die Strecke Arvidsjaur – Skelleftea sei stillgelegt, beruhigte uns der Bahnangestellte. Eine Draisine ist ein Fahrrad mit drei Rädern aus Metall. Sie fährt auf Eisenbahnschienen und kann auch entgleisen… Papa und ich wollten mit einer solchen Draisine zu unserem Camper fahren, dazu mussten wir auf den Bahnhof, wo es Weichen hatte. Wir wollten darüber fahren, aber die Draisine schaffte es nicht – wir entgleisten und mich spickte es auf den Boden. Schliesslich starteten wir alle vier in die andere Richtung. Es ging auf der stillgelegten Zugstrecke durch die Wildnis flach aber manchmal auch bergauf, was uns ziemlich ins Schwitzen brachte. Trotz dem Quietschen, welches unser Gefährt verursachte, konnten wir Rentiere beobachten. Nach etwa zehn Kilometern waren wir müde und hatten Hunger. Danach drehten wir die Draisinen um und pedalten zurück. Weil wir so heiss hatten, kühlten wir uns unterwegs in einem einsamen See ab. Als wir von unserem Fährtlein zurückkamen, sahen wir noch einmal zwei Rentiere. Wir konnten uns sehr nahe an sie heranschleichen. So konnte ich sie in Ruhe fotografieren.

Am Abend feuerten Michelle und ich noch ein paar Frauenfürze ab.

2. August. Heute fahren wir knapp über den Polarkreis nach Jokkmokk. Ich freue mich schon auf morgen, weil ich dann elf Jahre alt werde!

von Rafael und Daniel

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2. August
Arvidsjaur: Achtung Bahnübergang!

Aus dem Camper entdeckte ich plötzlich eine Rentierfamilie. Sie war so neugierig, dass sie immer noch da waren, als ich endlich die Kamera bereithielt. Sie spazierten der Bahnlinie entlang und grasten dabei in aller Ruhe. Sie waren sehr gute Fotomodelle. Mutter und Kind gingen zusammen und der Vater kam schliesslich hintendrein.

Foto & Text von Michelle

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4. August
Jokkmokk

Unterdessen sind wir in Jokkmokk, wenige Kilometer nördlich des Polarkreises angekommen. Unsere Reise führt uns von Vilhelmina über einen «Wildnisweg» weiter nordwawärts nach Arjeplog, Arvidsjaur und Jokkmokk. Abgesehen von Wildnis und Rentieren haben wir noch anderes Eindrückliches gesehen. Längere Zeit bereits halten wir uns in Lappland, dem Land der Samen auf. In Arjeplog und in Jokkmokk befinden sich wunderschöne Samenmuseen, welche wir besichtigt haben. Die Samen, oft fälschlicherweise Lappen genannt, sind das Urvolk Nordskandinaviens. Noch heute ziehen sie mit ihren Rentierherden im Sommer in den Norden, kehren im Herbst in ihre Winterlager, unter anderem ins südliche Jokkmokk, zurück. Im Frühjahr und im Herbst finden Rentierscheiden statt; da werden die Rentiere zusammengetrieben, gezeichnet – damit man weiss, wem sie gehören – und im Herbst zum Teil als Wintervorrat geschlachtet…

Morgen geht es weiter nordwärts, Richtung Kiruna. Momentan sind wir am organisieren, wo es denn hin soll. Von Jokkmokk aus gibt es wunderschöne Strecken in die Berge zu fahren, um zu wandern oder zu paddeln. Nur sind das alles Einbahnstrecken, das heisst, 100 Kilometer in die Wildnis rein, dann denselben Weg, wieder zurück. So summieren sich die Kilometer weiter...

Ach ja: Die Mitternachtssonne haben wir von Datum her verpasst – Sonnenuntergänge wie auf dem Bild oben sind jedoch nichts Aussergewöhnliches!

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4. August
Muddus-Nationalpark: Natur pur

6. August. Muddus-Nationalpark – 50km nördlich von Jokkmokk. In diesem ungefähr 500 qkm grossen Gebiet sollen viele Tiere zusehen sein: Elche, Rentiere, Luchse, verschiedene Vogelarten, Bären. Bären? Also stiefeln wir los und verbringen einen Tag in diesem Gebiet. Tiere wollen sich uns nicht zeigen – nur deren Kot zeugen von ihnen – ganz im Gegensatz zu den Heidelbeeren. Die Kinder pflücken sie mit einem Erntegerät aus den Warenhaus (in der Schweiz verboten) und servieren uns am Abend ein lecker-frisches Dessert.

Der Muddus-Nationalpark liegt am Luleälven. An dessen Ufer verbringen wir die Nacht einsam-romantisch. Daniel hat die Idee, am nächsten Tag mit den Kindern im Kanadier eine Strecke zu paddeln. Endlich einmal ein Fluss, der auch etwas fliesst und zum Befahren genügend Wasser hat. Diesen Sommer herrscht hier in Nordschweden Trockenheit, wie selten – wird uns auf alle Fälle immer wieder gesagt – so dass viele Flussbette trocken sind, oder sich nur als kleine Rinnsale zeigen. Also, am nächsten morgen nach dem Frühstück geht’s los. Daniel bepackt mit den Kindern den Kanadier, ich soll sie an einer ausgemachten Stelle mit dem Wohnmobil abholen. Ich fahre dorthin, und sie kommen nicht, und kommen nicht, und kommen immer noch nicht. Tja, der Fluss fliesst bereits nach der ersten Kurve nicht mehr. Im Gegenteil: Wellen und starker Gegenwind kommen auf, so dass – anstelle eines gemütlichen Fährtleins – alle drei streng paddeln müssen… Anschliessend wird abgekühlt. Im eiskalten Wasser…

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8. August
Porjus: Heja Volvo…

Porjus. Am Strassenrand steht ein Dorfschild, wie hier üblich in Schwedisch und Samisch angeschrieben. Alle Häuser ausser dem ICA Market sind, wie gewohnt unauffällig, der Rasen glattgemäht, die blau-gelbe Flagge weht stolz im Wind. Ein Dorf wie viele andere Schwedische Dörfer eben auch. – Nein! Da steht ein Haus, zwar auch wie üblich, in rotem Anstrich mit weissen Balken. Ein Haus aber, bei dem vor lauter Details, Tafeln, Flaggen, Kabeln, Fellen, Geweihen, Gefährten das Rot kaum mehr sichtbar ist. Das Haus von Björn Thunborg, einem im Krieg ausgewanderten Norweger, einem Sammler, Jäger und Händler im wörtlichsten Sinn. Beim Eintreten in seinen Laden sieht man vor lauter Dingen den Verkäufer nicht: Damenstrümpfe, Miniäxte, Fischerzubehör, Lappenmesser, Postkarten, Verstärker, Samenschuhe, Rentierfleisch, Batterien, Schmuck, Elchfelle, Djungelolja, Aussenbordmotor mit Ersatzschraube, Sturmzündhölzer, abgelaufene Diafilme, und wahrscheinlich haben wir dabei nur etwa einen Drittel wahrnehmen können.

Michelle entscheidet sich dabei für das gefährlichscharfe Lappenmesser, das sie seitdem stolz am Gürtel trägt. Als Kontrast zu ihrer farbigen Holzkugelkette und den hellblauen Schweden-cloggs mit Rosenmuster und den zwei blonden Pippi-Haarschwänzchen… Wir verabschieden uns nach langem von Björn, der uns mit vielen wertvollen Tipps auf die Reise schickt.

Zur Geduldsprobe von Kristina muss ich nach kurzem Zögern nochmals hin. Mit meiner Kamera. Vor dem Haus sticht mir Björns grau-mattes Volvo-Kombi ins Auge. Björn erlaubt mir, sichtbar stolz, ein paar Fotos zu machen. Wenn ich wolle, könne ich ihn mit aufnehmen. Das Kombi habe er gestern verkauft. Er habe das Moos auf dem vorderen Kotflügel entfernt. Vielleicht reiche es ihm noch für eine Politur. Ob er geprüft sei? Kein Problem! Schliesslich handle es sich um einen Volvo, erst mit Jahrgang 1965. Das sei kein Alter. Die Karrosserie sei einwandfrei. Der Motor kein Problem. Er habe für den Winter vor einigen Jahren eine Startheizung für den hier doch rauen Winter eingebaut. Richtig: ein Kabel mit Stecker, wahrscheinlich Marke ICA ragt aus dem Kühlergrill…

Heja Vicki – Heja Volvo!

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8. August
Porjus: Mücken…

Im Norden. Seit einiger Zeit plagen uns die kleinen Tierlein, auf welche wir hier im Norden nun wirklich nicht scharf sind – die Mücken. Uns reichen diese paar Dinger aber völlig, könnten auf sie verzichten. Michelle ist die Befallenste von uns allen. Wir waren zwar darauf vorbereitet, es habe gar nicht so viele, wird uns immer wieder gesagt – es sei diesen Sommer viel zu trocken. Sie pieksen sie überall, hinter den Ohren, im Gesicht, an Beinen und Armen, sogar durch Jeans. Sie fliegen sogar in Nasenlöcher...

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9. August
Kiruna: Eisenerz-Bergwerk

Heute Mittag erreichen wir Kiruna, die nördlichste Stadt in Schweden. Unser Camper war ziemlich Ebbe, also müssen wir in der Stadt angekommen, als erstes auftanken. 73 Liter – und ich dachte, unser Tank fasse nur 70…

Nachdem auch unsere Mägen aufgetankt sind, fahren wir zur Touristeninformation, da wir in Kiruna unbedingt einer Führung im Bergwerk folgen wollen. Kurz vor 14 Uhr parkieren wir, und im Touristenzentrum angekommen, erfahren wir, dass ein paar Minuten eine Führung starte. Während der Chauffeur den Motor startet suchen wir noch warme Kleider zusammen und schon sitzen wir im Car, der uns ins Bergwerk bringt. 540m unter Tage hält der Car an. Eine Führerin zeigt uns in einer Grube, wie dort gearbeitet wird und wie die ganze Arbeit im Bergwerk vor über 100 Jahren begonnen hat. Weiter erzählt sie uns, dass die Bürger von Kiruna in den nächsten Jahren ganze Teile der Stadt verschieben müssen, da sonst Einsturzgefahr drohe. Aber das Bergwerk ist wirtschaftlich so wichtig und ertragreich, was eine solche Verschiebung der Stadt notwenig macht. Nach drei Stunden erblicken wir wieder das Tageslicht, mit einem Kopf voller Eindrücken… Erlebenswert! Die Schweden verstehen es wirklich, Museen gekonnt zu gestalten oder Themen multimedial aufzubereiten!

Nachdem wir den Camping auf Anhieb verpassen, landen wir bei einer Skiliftstation. Der kurze Fusstrip auf den Luokkavaara – den Berg des stillgelegten Erzbergwerks von Kiruna und Skihang mit drei Liften und Scheinwerfern für die kurzen Wintertage – wird uns durch eine herrliche Weitsicht über die Stadt und die Weiten des Wald- und Steppenlands belohnt. Ein ungewöhnlicher Anblick, nachdem wir uns in letzter Zeit immer IM Wald bewegt haben…

Mit Kiruna verlassen wir in Kürze Schweden in Richtung Norwegen, freuen uns auf Neues – die Finnmark und die Tundra, damit der nördlichste und wenigst besiedeltste Teil unserer Reise. In diesen Gegenden werden auch die Campingplätze und somit die Internetanschlüsse rarer werden. Darum wird es nun vielleicht bis zum nächsten Beitrag etwas dauern.

 

Schweden mit seinen beinahe endlosen Wäldern hat uns sehr gefallen und wir haben das Gefühl, wir hätten noch viel mehr sehen können – aber dafür fehlt uns die Zeit! Fast ein bisschen unverschämt, so etwas auch nur zu denken, aber die eindrücklichen Kilometerzahlen auf den Wegweisern mahnen…

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14. August
Alta: Schlangenbrot und Schokobananen

Heute sind Michelle und ich hier alleine wandern gegangen. Also haben wir unsere Rucksäcke gepackt mit allem was man im Wald brauchen kann. Danach sind wir mit dem Velo losgefahren und kamen zu einem Rastplatz, wo wir die Velos abstellten. Von dort aus gingen wir zu Fuss weiter. Wir machten viele Fotos. Nach einiger Zeit kamen wir zu einem Plätzchen mit einer Feuerstelle. Dort sammelte Michelle viel Feuerholz und ich machte ein Feuer. Als es genug Glut und keine Flammen mehr hatte, backten wir ein Schlangenbrot – wieder einmal ein gutes Brot… Danach grillten wir noch eine Schokoladebanane. Nachdem machten wir ein Riesenfeuer. Als das Feuer runtergebrannt war, gingen und fuhren wir wieder zurück zum Camper.

Von Rafael

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Hier noch ein paar weitere Bilder die ich unterwegs fotografierte.

 

Hier noch ein paar weitere Bilder die Michelle unterwegs fotografierte.

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14. August
Alta: Frische Weitsicht

 

Während unsere Kinder ihre Wanderung unten am Altaelva – Elva gleichbedeutend mit Fluss – unternehmen, zieht es uns «Alten» doch eher in die Höhe. Alta liegt in einem Delta, am Meer, mitten in den Bergen. Ringsherum hat es Hügel, die erklommen werden können. Von unserem ausgewählten «Berg», dem Komsa, sehen wir auf ein wunderschönes Panorama hinunter. Fjorde nennt man das, Berge, die aus dem Meer ragen. Meeresarme, die sich ins Landesinnere drängen. Diese Landschaft wird uns die nächsten Wochen begleiten – wir sind definitiv aus dem Wald gekommen!

Alta liegt etwa 200 km südlich vom Nordkap entfernt; wir sind also bald am nördlichsten Punkt unserer Reise angelangt. Man spürt es, der Polarwind weht uns durch Haut und Knochen, was Rafael und Daniel nicht abhält, mit dem Kanadier noch den besagten Altaelva hinunter zu paddeln. Endlich ein Fluss, der genügend Wasser hat. Das kann Mann sich doch nicht entgehen lassen! Die Sommerkleider haben wir fürs erste zuhinterst in unseren Schränken verräumt und dafür die Thermowäsche hervorgeholt. Uns ist’s recht, so können wir die Türen und Fenster wieder verschlossen halten und somit die Mücken aussperren – sofern es noch welche hat…

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19. August
N 70° 59' 43,5" E 24°40'18.4"

Wir verlassen Alta, um den nördlichsten Punkt unserer Reise zu erreichen. Wir entscheiden uns, das Nordkapp nicht zu besuchen. Havøysund, etwas weniger bekannt, liegt 30 Kilometer südwestlich vom Nordkap.

Bei schönstem Wetter kurven wir den Fjorden entlang. Blaues Meer, karge Berge, ab und zu ein Fischerdorf. Wachsen tut hier nichts mehr. Die Gärten der Häuser sind leer, nur Rasen wächst und wird säuberlich gepflegt. Jeder Garten ist eingezäunt, damit er nicht von Rentieren zertrampt und kahlgefressen wird. Rentiere tummeln sich hier im Moment überall.

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19. August
Havøysund

Abends erreichen wir Havøysund, finden ein Plätzchen direkt am Meer und freuen uns auf den ersten Sonnenuntergang bei freier Sicht aufs offene Meer. Aber – au weja – schon kurz nach dem Abendessen muss Daniel sein Stativ für den Sonnenuntergang bereitstellen. Ja, richtig, die Sonne geht hier nun bereits um 21.40 Uhr unter… soviel zum Thema Mitternachtssonne! Die haben wir definitiv verpasst. Die Nächte werden wieder länger – um 21 Uhr brauchen wir bereits Licht, um die Jasskarten zu erkennen.

Ja, es ist Herbst geworden. Die Tage sind merklich kühler, die Wollpullover – die Norwegischen – locken zum Kauf; die wärmen. Auch die Heizung muss jetzt ab und zu eingeschaltet werden…

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18. August
Havøysund: Mein erster Fisch

Havøysund ist der nördlichste Punkt der Reise. Rafael und ich gehen mit dem Velo an den Hafen fischen. Plötzlich krümmt es meine Angelrute und ich kurble die Schnur rauf. Es hat sehr hart zum kurbeln! Jupiii, ein Fisch hat angebissen! Er zappelt sehr! Ich schlage ihn an den Boden und er stirbt. Jupiii, der erste Fisch zum Essen! Mama nimmt den eher kleineren Fisch von mir aus (Fischausnehmen – Anm. der Red.) und dann auch den eher Grösseren von Rafael. Es sieht sehr eklig aus, wie Mama die Innereien rausnimmt! Rafael hat schon seine drei Fische von gestern ausgenommen. Der Fisch hat geschmeckt!

Von Michelle

 

 

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23. August
Tromsø: Wendepunkt

Langsam geht es – nach Halbzeit unserer Reise – südwärts, wieder dem Polarkreis entgegen, via Hammerfest fahren wir nach Tromsø. Die Hauptstrasse «E6» schlängelt sich dem Wasser entlang. Zum Teil fahren wir Strecken wie Gunten – Interlaken am Thunersee, jedoch über Hunderte von Kilometern. Da wird’s sogar Rafael beim Harry-Potter-Lesen ab und zu mal schlecht. Aber man muss ja auch nicht immer lesen. Mittlerweile ist er bei «Band 5» angelangt und er muss sich nun an eine 50-Seiten-Tageslimite halten…

 

Rafael ist aber nicht nur am Lesen, jetzt hat er auch seine ersten essbaren Fische gefangen. Das ist auch gut so, denn Norwegen ist wirklich sauteuer. Fleisch und Käse ist, verglichen mit Schweden, fast unbezahlbar (darum haben wir auch etwas FleischKäse aus der CH dabei…), der Diesel kostet im Land der Erdölförderung umgerechnet mehr als zwei CH-Franken, in Tromsø kostet sogar der Kirchenbesuch… Für wohltätige Zwecke? Genug gejammert! Mit Tromsø lernen wir wiedermal eine Stadt kennen, die als Stadt zum Verweilen einlädt: Alte bunt-farbige Häuser wechseln sich mit topmodernen Bauten ab, was sehr eindrückliche Strassenbilder ergibt. Dass diese Fassaden in der herbstlich warmen Sonne einladend leuchten, schätzen wir umso mehr, als dass unsere Hände beim Velofahren vor Kälte schon so etwas wie zu schmerzen beginnen… Wie in Skandinavien schon mehrmals erlebt, verstehen es die Nordländer ihre Geschichte und Spezialitäten mit Museen in Perfektion darzustellen. So lassen wir uns in Tromsø, auch «Tor zur Arktis» genannt, im «Polaria-Museum» von Bart-Robben und packenden Polar-Filmen à la Mystery Park faszinieren. Norwegen ist wirklich wunderschön, wir lassen uns gerne weiter von diesen Landschaften verzaubern.

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29. August
Bleik– Vesterålen: Toblerrone? Matterhorn? Bleiksøya!

Unser erster Schlafplatz auf Vesterålen ist eingerichtet. Direkt hinter der letzen Düne am weissen Strand. Wir sehen uns wiedermal kaum satt am wolkenlosen Blau des mit kreischenden, nach Beute kreisenden Seemöven bespickten Himmel und warten auf das Abtauchen des glühenden Balls im Meer. Und da, was im Gegenlicht aus dem Meer ragt, gleicht wirklich einer Werbekampagne von Zermatt Tourismus oder Tobler Schokolade. Der 160 Meter hohe Bleiksøya. Das lokale Naturschutzgebiet. Die Heimat zahlloser seltener Vogelarten…

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30. August
Andenes: Strandferien…

Seit einigen Tagen sind wir in Andenes, der nördlichste Punkt auf der Insel Andøy gehörend zur Inselgruppe Lofoten/Vesterålen. Wieder einmal sind wir am Ende der Welt angelangt. Von Andenes aus sieht man Richtung Westen nur noch Meer. Und was für ein Meer! Das ist das erste Mal, dass wir aufs offene Meer hinausschauen, soweit das Auge reicht. Andenes ist ein wunderschönes Dorf, was uns aber besonders gefällt, ist das Meer mit dem weissen Sandstrand. Der Sand ist so weiss, man könnte sich in Sardinien fühlen, das Meer ist so klar blaugrün, auch das erinnert eher an den Süden Europas. Das Glück will es, dass die Temperaturen auf nordsommerliche 20 Grad steigen, und wir die Tage hier an der Sonne und frischen Luft in vollen Zügen geniessen. Michelle und Rafael sind die ganze Zeit mit Muscheln sammeln beschäftigt. Sie gehen immer wieder den kilometerlangen Sandstrand entlang und kommen mit ihren Schätzen zurück, welche sie erst waschen, dann auf Tisch und Badetuch säuberlich ausbreiten. Ihre Sammlung ist beachtlich. Wir leeren ihnen eine Kiste, damit sie ihre Muscheln mitnehmen können.

Die Inselgruppe Lofoten/Vesterålen sind bekannt für ihre kargen Berge, die bis 1200m aus dem Meer bizarr in die Höhe ragen. Dazwischen sind grüne Wiesen und eben – feiner weisser Sandstrand. Diese Kombination mache die Lofoten zu einem Herzstück Europas. Wir lassen uns gerne verzaubern, denn das wenige, dass wir bisher von den Lofoten/Vesterålen gesehen haben, ist wirklich diese Beschreibung wert. Wir freuen uns jetzt darauf, den Süden der dieser Inselwelt zu besuchen...

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6. September
Moskenes: Lofoten und die Stockfische

Beim Begriff Lofoten wurden mir bis jetzt immer dieselbem Bilder abgerufen. Bizarre Felsen, die schroff aus dem Meer ragen. Holzgestelle, wo Kabeljaus an den Schwänzen hängen und zum Trocknen in den Boden starren. Bunte Fischerboote, die kontrastreich in dunklen Buchten vor Anker liegen.

Die Landschaft und die Berge sind bilderbuchhaft. Das stimmt. Weil uns die Karg- und Rauheit des hohen Nordens tief beeindruckte, aufwühlte und uns immer noch sehr präsent ist, finden wir es einfach «postkartig».

Holzgestelle, meist in dreieckiger Form gebaut, finden wir in den allermeisten Fischerdörfern prominent auf den Hügeln, den Winden ausgesetzt. Das stimmt. Ohne Fische. Die würden nur im Frühjahr gefangen und bis Mitte Juni zum trocknen aufgehängt, lassen wir uns belehren und schauen uns die vollen Gestelle im Souvenirshop auf den Postkarten an. Ein einziger Stockfisch ist noch übriggeblieben. Er hängt an der Türe desselben Souvenirshops – der jetzt nur noch bis um 14 Uhr geöffnet ist. Er sieht, von der intensiven, hinter ihm liegenden Sommersommersaison ziemlich gezeichnet aus. Daneben liegen verschiedene Hinweistafeln mit der Inschrift «ledige Rorbuer», was übersetzt etwa «freie Unterkünfte in Fischerhütten» heisst, am Boden. Nachsaison. Wir sind froh, in dieser verschlafenen Zeit hier zu sein. Wir wollen uns den Camperstrom in den Sommermonaten nicht bildlich vorstellen. Aber eben: in solchen malerischen Fischerdörfern ist das ursprüngliche Erwerbs- und Sozialleben nicht mehr so attraktiv. Verständlich. Da werden, um die Kronen zu verdienen, die Fischerboote halt besser als «Lofotcruisers» und die traditionellen Fischerhütten als Unterkünfte angepriesen. Das frühere Leben kann ja dann in den – wie schon früher in diesem Blog erwähnt – schön aufbereiteten Museen bewundert werden.

Übrigens: Bunte Fischerboote liegen kontrastreich vor Anker. Das stimmt auch. Den Kontrast bilden im Moment Nieselregen und durch den rauen Seewind schnell vorüberziehende Nebelschwaden.

So wissen wir nun auch wie das aussieht...

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10. September
Trondheim: Kontraste

Mit der Fährpassage von den Lofoten nach Bodø an die norwegische Küste kehren wir dem rauen, naturgewaltigen, kargen aber ruhigen Norden den Rücken. Aufbruch. Weil sich der Abfahrtstag – und die drei folgenden Tage auch – grau und mit leichtem Nieselregen präsentieren, entscheiden wir uns für Reise- Schulunterrichts- und Spieltage mit dem Etappenziel Trondheim und schliesslich wieder Schweden.

Nach sechshundert Kilometern Autofahrt in Trondheim angelangt, freuen wir uns auf den ausgedehnten Stadtbummel. Die Ankunft in der Zivilisation kommt abrupt: Hier muss man Parkplätze suchen! Ach ja, und dazu gehört ja auch noch das Füttern der Parksäulen… Wie schnell man doch solche Manieren vergessen kann… Die Geräuschkulisse ist durch Autobrummen statt durch das Krächzen der Seemöwen geprägt… Der typische Hafengeruch, ein Gemisch von Meersalz, Schmieröl und zu flickenden Fischnetzen ist weg… Und beim Anstehen in einem rot-gelben Fastfood-Lokal wird mir bewusst, wie unsere Outdoor-Kleider, Trekkingschuhe und mein Mehrtagebart auffallen… Trondheim gefällt uns. Eine schöne, gepflegte Stadt, die zum Verweilen einlädt. Aber irgendwie kommen wir uns – nach dem Hohen Norden – trotzdem wie «im falschen Film» vor…

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11. September
Fjäll: Wieder im Wald…

Wir fahren weiter, Richtung schwedischer Grenze. Die Fjäll-Landschaft nach dem Abzweigen von der «E6» – der norwegischen Nord-Süd-Strasse schlechthin – kommt uns wie ein erneutes Abtauchen in die unberührte Natur vor: Fichten und hellgraue Moosteppiche soweit das Auge reicht…

Zum Übernachten suchen wir uns nochmals ein ruhiger Platz im Wald an einem See wie bei Winnetou und Co. (nun wieder mit Sonnenuntergang…); für das Lagerfeuer wird Holz mit dem Boot geholt und ein Sprung ins kalte Nass ersetzt die warme Dusche.

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12. September
Mora: Siljansee und die roten Rösslein…

Wir verbringen schöne Tage in Mora, geniessen sie, können uns aber nicht mehr so recht von diesem lieblichen Mittelschweden rund um den Siljansee begeistern lassen. Gar ordentlich scheint es uns, «gepützerlet», und sehr nah liegen die einzelnen Dörfer beieinander. Wir kommen uns vor, wie in der heilen Welt Astrid Lindgrens… Vielleicht wäre der Eindruck von diesem Bezirk – Dalarna – anders gewesen, wenn wir diese Gegend am Anfang unserer Reise besucht hätten.

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19. September
An den Schären der Westküste

Nun ja – wir suchen uns ein anderes Ziel und finden es auch: Wir fahren in die Schärenwelt an der Westküste nördlich von Göteborg. Dies entspricht uns mehr und wir lassen uns nochmals verzaubern: karge Inseln ragen aus dem rauhen Meer, bedeckt mit Erika und weissem Moos, soweit das Auge reicht. An Buchten und schönen Landzungen befinden sich malerische Fischerdörfer, die allerdings heute ausschliesslich von Touristen bewohnt werden. In der Nachsaison, die nun ganz deutlich herrscht, pulsiert das Leben nicht mehr, so dass es sehr ruhig auf uns wirkt, um nicht zu sagen ausgestorben…

Wir geniessen diese Tage, die Kinder mit Erklettern vieler Schärenklippen, Daniel und ich mit langen Spaziergängen...

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22. September
Götegorg: Zurück in der Grossstadt…

Das letzte Abenteuer unserer Reise? Wir stürzen uns so richtig in die Grosstadt-Atmosphäre. Für uns zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig: Völlig naiv geben wir unserem GPS die Strasse der Touristeninfo ein (eine Fussgängerzone), damit wir direkt hingelotst werden. Tja – was uns erst etwas später bewusst wird: unser Gefährt ist in der Stadt wirklich ungelenker als in der Prärie… dass man vielleicht nicht gerade direkt vor jedem Haus parkieren kann. In Bern kann man ja auch nicht einfach so vor dem «Du Théatre» anhalten... Wir finden trotzdem mit Glück einen Parkplatz und erhalten nicht mal eine Busse. Im Innern der Stadt werden wir anfangs fast überrumpelt, nicht vom Verkehr, sondern von den Menschen. Wir sind uns das nicht mehr gewöhnt.

 

Wir können nur staunen… Dieses Tempo. Diese Mode. Diese geschminkten Gesichter. Diese Schaufenster. Diese Einkaufsquartiere… Trotzdem freuen wir uns auf die kommenden Tage. Wir lösen für 48 Stunden einen «Göteborgpass», mit welchem wir freie Fahrt auf allen öffentlichen Verkehrsmitteln, freien Eintritt in alle Museen und den Liseberg haben. Wir stürzen uns ins Abenteuer.

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22. September
Göteborg: Liseberg, wir kommen…

Wir gingen in einen Vergnügungspark und der hiess «Liseberg». Mama und Papa kauften mir einen Tagespass. Mit dem Tagespass durfte ich auf alle Bahnen gehen, soviel ich wollte.

Ich ging auf die «Balder»-Bahn – eine riesige, rasende Achterbahn aus Holz; auf die «Kanonen» – eine Bahn mit Schrauben und Loopings; auf die «Lisebergbanan» – eine Bahn, wo du denkst, es sei ein mieses Tschutschu-Bähnchen (…) und auf den «Circus-Expressen» – eine Bahn, die nur eine Acht dreht und, was mich erstaunte, schon dort Leute kreischten… Ich ging noch auf andere verschiedene lustige Sachen wie Autokreisel, Putschautobahn, Einbaum-Wasserbahn und «Kållerado» – eine Wildwasser-Bahn. Dort wurden wir ziemlich nass! Um 22 Uhr ging der Park zu. Danach hatten wir alle Hunger und Durst. Vorher assen wir ja nicht viel, wir hatten etwas Angst, dass wir das Essen «rückwärts kauen» würden… Darum gingen wir noch in den McDonald. Um Mitternacht gingen wir dann zu Bett. Als Erinnerung an diesen Tag, auf den ich so lange gewartet habe, kaufte ich mir grün-rosa Aufsteckohren. So sehe ich nun aus wie das «Liseberg»-Häschen…

von Michelle

 

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22. September
Göteborg: Universum

Letzten Donnerstag gingen wir ins Universum. Das Universum ist ein Museum mit zwei Teilen. Im ersten Teil ging es um Fische, Regenwald und Schlangen. Im zweiten Teil um Sport, den Körper, das Weltall und den Verkehr. Im Universum ging man zuerst mit einem Bähnlein hinauf zu den Fischen. Dort hatte es erst kleine Fische in kleinen Aquarien (etwa 2 mal 2 Meter). Danach kamen immer grössere Fische in grösseren Aquarien, bis zu mittelgrossen Haien, etwa 4 m lang, in einem riesengrossen Aquarium, das etwa so gross war wie eine ganze Wohnung. Danach gingen wir durch den Regenwald in den zweiten Teil des Museums.

Im zweiten Teil des Museums hatte es zwei grosse Räume. Im ersten Raum ging es um Sport und Verkehr. Dort hatte es Simulatoren von einem Motorrad und zwei Autos. Weiter konnte man sich in verschiedenen Sportarten messen, beispielsweise bei Schnelllauf, Torhüter, Rudern und Kanufahren. Im hinteren Teil des Raumes befanden sich zwei Autos und ein halber Lastwagen. Später sind wir in den oberen Raum gegangen. Dort ging es um den menschlichen Körper und das Weltall.

Am spannendsten und schönsten fand ich den Regenwald und das Haie-Aquarium.

von Rafael

 

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24. September
Malmö: Zurück am Anfang…

So – das ist wohl unser letzter Bericht aus dem hohen Norden, denn wir sind gar nicht mehr so hoch im Norden… Unsere Reise neigt sich dem Ende zu. Rundreise beendet. Malmö. Die schwedische Gasflasche verkaufen, den letzten ICA (Schwedens omnipräsente Einkaufskette von Stockholm über Jokkmokk bis Gräddede…) besuchen, letzte Einkäufe tätigen. Abschied nehmen. Anschliessend geht’s definitiv südwärts. Wir wollen noch ein wenig von Norddeutschland sehen: Die Schifffahrtsambiente von Cuxhaven und Bremerhaven.

Am ersten Oktober werden wir in Worben eintrudeln und uns zwei Tage später wieder von unserem Gefährt – das uns in den vergangenen Wochen das «Zuhause» geworden ist – trennen…

Ein aussergewöhnliches Märchen geht zu Ende. Und wenn sie nicht verzaubert werden, dann reisen sie bald wieder…

Danke für Eure treuen Besuche auf dieser Site, Eure Kommentare, Mails, SMS, die wir immer mit Freude und Genuss gelesen haben! Sorry, wenn wir nicht alle Messages umgehend oder überhaupt beantwortet haben!

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Tack så mycket!