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Vorfreude

Als einige unserer Freunde vor schon bald
Jahren eine mehrmonatige Reise mit ihren vorschulpflichtigen Kindern
planten, dachten wir bei uns, das machen wir auch – aber später.
Die Kinder müssen in der Schule sein, damit sie später
mehr davon haben werden. Dieses «später» wurde
für uns fast zu spät. Irgendwann realisierten wir: wenn
wir wirklich noch auf Reisen gehen wollen, müssen wir das jetzt
anpacken. Das war vor zwei Jahren. Denn der beste Zeitpunkt wäre
der Sommer 2005 gewesen, die Kinder wären zu dieser Zeit in
der 3. und 4. Klasse gewesen. Leider ging das wegen Daniels Berufssituation
nicht, so mussten wir diese Reise um ein Jahr verschieben. Ja, jetzt
freuen wir uns eben schon lange auf diesen nächsten Sommer.
Lange wurde in unserer Familie diskutiert,
wo es denn während dieser drei Monate hingehen soll: Plakate
mit Bildern aus Kanada, Australien und Skandinavien hingen während
Monaten bei uns im Eingang. Welche Destination macht das Rennen?
Wir entschieden uns für Skandinavien, sehr zum Leidwesen von
Rafael. Er wollte unbedingt nach Australien...
Weshalb Skandinavien denken wohl viele; «dort
regnet’s doch immer und ist kalt»...
Klar, mit dem Süden kann man diese Gegend
nicht vergleichen. In den Reiseführern steht sogar geschrieben,
dass ab Anfang September mit frostigen Nächten gerechnet werden
müsse. Aber uns interessiert im Moment nicht das Wetter, vielleicht
nach langer Regenphase dann doch... Wir wollen die Mitternachtssonne
sehen, die Natur und die Einsamkeit in Lappland erleben und natürlich
auch paddeln – in den Schären Stockholms und auf anderen
Gewässern. Skandinavien ist ein riesiges Gebiet. Allein die
Reise bis Stockholm ist 1800 Kilometer lang, und Stockholm ist noch
nicht in der Mitte Skandinaviens. Wir denken, mit drei Monaten werden
wir wirklich genug Zeit haben, auch etwas von den Ländern Schweden,
Norwegen und evtl. Finnland zu sehen, und diese nicht einfach nur
zu durchqueren.
Letzten Herbst hiess es dann Wohnmobil suchen
und mieten, Urlaubsgesuche eingeben. Seit Januar sind all diese
Hürden genommen. Jetzt muss nur noch der Sommer kommen... Ha,
und das bei diesem letzten Winter!
Also: Lust auf eine Reise mit Chäsis
nach Skandinavien?
Lasst euch mit unserem untenstehenden Tagebuch
verführen...
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Malmö
Da sind wir nun, ganz im Süden vom hohen Norden – in
Malmö. Am Samstag gegen Mittag wars endlich soweit. Jedes Ding,
das mit auf die Reise musste, hat seinen Platz gefunden. Am Schluss
haben sogar wir noch ein Plätzchen gefunden und los gings.
Via Zürich – Schaffhausen erreichten wir bald einmal
Deutschland und am späten Nachmittag waren wir an unserem
ersten Ziel, Herrenberg bei Stuttgart: Besuch bei meiner Schwedischen
Grossmutter im Altersheim vor ihrem Abendbrot (um 17.00 Uhr). Danach
gings mit Durchschnittstempo 90 Stunde um Stunde, Fahrerwechsel
um Fahrerwechsel auf der Autobahn nordwärts. Würzburg
– Kassel – Göttingen – Hannover – Hamburg
– Travemünde. Bis wir am Sonntagabend Puttgarden erreichten.
Die Fähre brachte uns von dort aus am Montagmorgen nach Rödby,
Dänemark. Seit gestern nun sind wir in Malmö – haben
die ersten 1200 km und die gigantische Öresundbrücke hinter
uns – besuchen hier eine Freundin und organisieren, was es
für die Weiterrreise in Skandinavien noch zu organisieren gibt.
Zum Beispiel Gas: Da unsere deutschen Gasflaschen nicht mit den
Schwedischen kompatibel sind, mussten wir uns bereits daheim entscheiden,
wie wir während unserer Reise heizen wollen – momentan
ist das zwar kein Thema, es ist recht warm.
- Nehmen wir drei deutsche Gasflaschen mit, mit dem Risiko, dass
das nicht reichen würde?
- Kaufen wir einen Stromerzeuger, und nehmen ein kleines elektrisches
Heizöfelchen mit?
Oder als letzte Variante, für die wir uns nach langem Zögern
entschieden haben, nehmen wir nur eine deutsche Gasflasche mit und
suchen in Schweden als erstes eine Schwedische Gasflasche und ein
Adapterstück für unser deutsches System? (EU-EU-Kompatibilität…)
Und siehe da, es hat geklappt. Am ersten Ort, wo wir mit unserem
Anliegen anklopften, hatten wir Erfolg.
Jetzt geniessen wir ganz einfach etwas Ruhe in Malmö, verbringen
die Zeit mit Baden, Faulenzen und die Stadt erkunden.
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In Stockholms
Schären

Fast eine Woche ist es her, seit wir in Stockholms Schären
festsitzen. Nicht etwa, weil unser Camper nicht mehr will –
sondern, weil es uns hier so gut gefällt. Etwa 24000 Inselchen
zählen die Schären um Stockholm, teils unbewohnt –
in Stockholms Nähe fast nur bewohnt. Fast jedes Inselchen,
auch wenn es nur ein paar Quadratmeter gross ist, wird von einem
Stockholmer mit einem Ferienhäuschen und einem Bootssteg bewohnt.
Diese Wochenendhäuschen sind in typischem schwedischen Stil
– rot-weiss – gebaut. Die schwedische Flagge darf dabei
nicht fehlen.
Zuerst verbrachten wir einige Tage in Nynäshamn, im südlichen
Teil der Schären. Von dort laufen die grossen Fährgesellschaften
das Festland (Polen, Estland, Finnland…) an.
Die letzten Tage verbrachten wir in Vaxholm, östlich von Stockholm.
Wir verbringen die Zeit mit Baden, Radfahren, Paddeln und Fischen…
Rafael hat seinen ersten Fisch aus dem Wasser gezogen, doch mass
dieser klägliche 10,15cm – so dass er ihn nach grosser
Bewunderung wieder in die Freiheit entliess… Weiter geniessen
wir es ganz einfach mit «dolce far niente» und vor allem
das schöne, sommerliche Wetter, mit blauem Himmel und weissen
Cumuli – Wie lange werden wir wohl noch schwitzen?
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18. Juli
Stockholm

Von Vaxholm unternehmen wir einen Abstecher nach Stockholm. Das
Schärenschiff führt uns in dreiviertel Stunden durch unzählige
kleine Inselgrüppchen. Schiffe fahren häufiger als Busse.
Es herrscht auch auf dem Wasser mehr Verkehr, als auf der Strasse.
Eigentlich wollen wir via Königspalast in die berühmte
«Gamla Stan», die Altstadt. Dabei geraten wir als erstes
in die wohlinszenierte Wachablösung. Dieses Spektakel können
wir uns nicht entgehen lassen. Da sind wir also mitten in den Menschenmassen
und versuchen etwas vom Schauspiel mitzubekommen. Daniel mit seinen
knapp zwei Metern Höhe hat da klar einige Vorteile…
Nach dem letzten Kommando schlendern wir ins Zentrum und mit uns
all die Zuschauer von vorhin. Irgendwie fühlen wir uns unter
sovielen Leuten nicht so ganz wohl, steuern eine Imbissbude an und
stillen unsere müden Waden.
Mit einem der vielen Boote tuckern wir danach durch die Wasserwege
zum Vasa-Museum. Die «Vasa» ein Schiff, das 1621 erbaut
wurde, sank bei seiner Jungfernfahrt 1500 Meter nach dem Stapellauf
in Stockholm. Dreihundert Jahre später fand man ihr Wrak und
hob sie unter mühsamsten Umständen an die Wasseroberfläche.
Das Schiff war nach so langer Zeit in erstaunlich gutem Zustand,
wurde restauriert und ist nun in einem grossartigen Museum zu bewundern.
Leider ist der Tag schon vorbei und ein weiteres Schiff führt
uns durch das Inselwirrwarr wieder zurück nach Vaxholm. Kurz:
Stockholm mit seinen Wasserstrassen ist wunderschön, eine eigenständige
Reise wert.
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20. Juli
Hedesunda

Schweren Herzens nehmen wir Abschied von der lieblich schönen
Schärenwelt. Mit der Absicht, nun nordwärts zu ziehen,
starten wir. Und tauchen sogleich in eine neue malerische Vegetationszone
ein – das Hochmoor. Weit sind wir nicht gekommen, ungefähr
40 Kilometer südlich von Gävle sind wir bereits wieder
steckengeblieben, im Hochmoor rund um Sandviken.
In diesem flachen Seengebiet baden wir bei hoch sommerlichen 28
Grad am Schatten. Rafael packt sofort Kanadier und Angelzeug. Anbeissen
will zu seinem Leid aber wieder nichts. Er schreibt das der rotbraunen
Wasserfarbe des Moorsees zu. Unterwegs begegnen wir paddelnd einem
Saunafloss – ein schwimmendes Häuschen mit einem Holzofen
und einem Tisch, als Ruheraum. Idyllisch. Die Temperaturen sind
aber deutlich zu heiss, dass uns wirklich gelüsten würde…
Hier ist Peter Linke, Kristinas Vater geboren und aufgewachsen.
Nun können wir es uns lebhaft vorstellen, wie er uns immer
erzählte: Den Sommer soll er im und auf dem See mit Rudern
und Baden vebracht haben, den Winter auf dem See – zuerst
mit Schlittschuhen, dann mit Langlaufskiern.
Zum ersten Mal brauchen wir hier «Djungelolja», offenbar
d a s Mückenmittel (mit Giftklasse 3) – nur Daniel darf
das benützen; bei den Kindern lege ich das Veto ein. Trotzdem
fragt sich Daniel, was wohl eher kaputt gehe, seine Haut oder die
Mücken – sie kommen immer noch, und zwar zu ihm...
Übrigens: Hedesunda spricht sich wie man es schreibt. Denken
wir. Peter Linke hilft uns präzisierend: Hedesünda. Wobei
auf dem n von ün verweilt wird, um das Wort dann mit einem
kurzen, fast nicht ausgesprochenen a von da abzuschliessen... Eben:
Hedesunda!
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23. Juli
Wildnis


Endlich! Ein Plätzchen in der Wildnis, wie wir, vor allem
die Kinder, es sich schon von daheim aus erträumt haben. Nur
wir, im Irgendwo, in der freien Natur am Wasser, mit Hängematte.
Ein traumhaftes Plätzchen finden wir auf dem Weg nach dem südlichen
Lappland, wo sich Seen mit Wald und Wald mit Seen abwechseln. Ganz
indianerhaft gehen wir holzen. Daniel zerlegt einen Baum, eine Birke,
die von einem Biber gefällt wurde. Rafael schleppt mit dem
Kanadier das Holz zu unserem Platz. Anschliessend wird Feuer gemacht,
wir stellen das Dreibein auf, und Michelle kocht über dem Feuer
Teigwaren – das nicht ganz so indianerhaft...
Wir sind deutlich nördlicher als auch schon, so merken wir
nicht, wie spät es ist. Abendbrot ist um 22.00 Uhr fertig gegessen,
es wird bis fast Mitternacht ohne Licht gejasst – wir erkennen
die Karten noch – und um Mitternacht hält Daniel den
Kindern eine Zündholzschachtel hin, und sie können den
Text darauf lesen… Trotzdem Zeit, die müden Gemüter
schlafen zu legen. Um 03.30 Uhr ist wieder Sonnenaufgang…
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24. Juli
Vilhelmina und der 3000ste Kilometer

Der 3000ste Kilometer ist gefahren… Und wo befinden wir
uns? Noch lange nicht am Nordkap, noch nicht mal über dem Polarkreis,
aber immerhin bereits in Südlappland! Die Landschaft hat sich
verändert, sie ist karger und eintöniger geworden. Aber
nicht langweiliger. Die Dörfer liegen weiter auseinander, zwischen
den Dörfern Wald, Wald und noch einmal Wald, zum Teil sogar
zwischen den einzelnen Häusern. Und zur Abwechslung ein See.
Schön ist es da. Trotz aller Einsamkeit sieht es hier nach
wie vor lieblich und anziehend, einladend aus. Wir geniessen es…
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1. August
Arvidsjaur: Draisinenfahrt

In einem Laden beim Bahnhof konnten wir zwei Draisinen mieten.
Die Frau im Laden sprach nur samisch und schwedisch. Darum haben
wir uns mit Zeichnungen verständigt. Mit der Hand zeigte sie
uns, wo wir die abgestellten Draisinen finden sollten und die Richtung,
in welcher wir fahren dürften. Was machen wir, wenn ein Zug
kommt? fragten wir uns. Die Strecke Arvidsjaur – Skelleftea
sei stillgelegt, beruhigte uns der Bahnangestellte. Eine Draisine
ist ein Fahrrad mit drei Rädern aus Metall. Sie fährt
auf Eisenbahnschienen und kann auch entgleisen… Papa und ich
wollten mit einer solchen Draisine zu unserem Camper fahren, dazu
mussten wir auf den Bahnhof, wo es Weichen hatte. Wir wollten darüber
fahren, aber die Draisine schaffte es nicht – wir entgleisten
und mich spickte es auf den Boden. Schliesslich starteten wir alle
vier in die andere Richtung. Es ging auf der stillgelegten Zugstrecke
durch die Wildnis flach aber manchmal auch bergauf, was uns ziemlich
ins Schwitzen brachte. Trotz dem Quietschen, welches unser Gefährt
verursachte, konnten wir Rentiere beobachten. Nach etwa zehn Kilometern
waren wir müde und hatten Hunger. Danach drehten wir die Draisinen
um und pedalten zurück. Weil wir so heiss hatten, kühlten
wir uns unterwegs in einem einsamen See ab. Als wir von unserem
Fährtlein zurückkamen, sahen wir noch einmal zwei Rentiere.
Wir konnten uns sehr nahe an sie heranschleichen. So konnte ich
sie in Ruhe fotografieren.
Am Abend feuerten Michelle und ich noch ein paar Frauenfürze
ab.
2. August. Heute fahren wir knapp über den Polarkreis nach
Jokkmokk. Ich freue mich schon auf morgen, weil ich dann elf Jahre
alt werde!
von Rafael und Daniel
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2. August
Arvidsjaur: Achtung Bahnübergang!
Aus dem Camper entdeckte ich plötzlich eine Rentierfamilie.
Sie war so neugierig, dass sie immer noch da waren, als ich endlich
die Kamera bereithielt. Sie spazierten der Bahnlinie entlang und
grasten dabei in aller Ruhe. Sie waren sehr gute Fotomodelle. Mutter
und Kind gingen zusammen und der Vater kam schliesslich hintendrein.
Foto & Text von Michelle
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4. August
Jokkmokk

Unterdessen sind wir in Jokkmokk, wenige Kilometer nördlich
des Polarkreises angekommen. Unsere Reise führt uns von Vilhelmina
über einen «Wildnisweg» weiter nordwawärts
nach Arjeplog, Arvidsjaur und Jokkmokk. Abgesehen von Wildnis und
Rentieren haben wir noch anderes Eindrückliches gesehen. Längere
Zeit bereits halten wir uns in Lappland, dem Land der Samen auf.
In Arjeplog und in Jokkmokk befinden sich wunderschöne Samenmuseen,
welche wir besichtigt haben. Die Samen, oft fälschlicherweise
Lappen genannt, sind das Urvolk Nordskandinaviens. Noch heute ziehen
sie mit ihren Rentierherden im Sommer in den Norden, kehren im Herbst
in ihre Winterlager, unter anderem ins südliche Jokkmokk, zurück.
Im Frühjahr und im Herbst finden Rentierscheiden statt; da
werden die Rentiere zusammengetrieben, gezeichnet – damit
man weiss, wem sie gehören – und im Herbst zum Teil als
Wintervorrat geschlachtet…
Morgen geht es weiter nordwärts, Richtung Kiruna. Momentan
sind wir am organisieren, wo es denn hin soll. Von Jokkmokk aus
gibt es wunderschöne Strecken in die Berge zu fahren, um zu
wandern oder zu paddeln. Nur sind das alles Einbahnstrecken, das
heisst, 100 Kilometer in die Wildnis rein, dann denselben Weg, wieder
zurück. So summieren sich die Kilometer weiter...
Ach ja: Die Mitternachtssonne haben wir von Datum her verpasst
– Sonnenuntergänge wie auf dem Bild oben sind jedoch
nichts Aussergewöhnliches!
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4. August
Muddus-Nationalpark: Natur pur

6. August. Muddus-Nationalpark – 50km nördlich von Jokkmokk.
In diesem ungefähr 500 qkm grossen Gebiet sollen viele Tiere
zusehen sein: Elche, Rentiere, Luchse, verschiedene Vogelarten,
Bären. Bären? Also stiefeln wir los und verbringen einen
Tag in diesem Gebiet. Tiere wollen sich uns nicht zeigen –
nur deren Kot zeugen von ihnen – ganz im Gegensatz zu den
Heidelbeeren. Die Kinder pflücken sie mit einem Erntegerät
aus den Warenhaus (in der Schweiz verboten) und servieren uns am
Abend ein lecker-frisches Dessert.

Der Muddus-Nationalpark liegt am Luleälven. An dessen Ufer
verbringen wir die Nacht einsam-romantisch. Daniel hat die Idee,
am nächsten Tag mit den Kindern im Kanadier eine Strecke zu
paddeln. Endlich einmal ein Fluss, der auch etwas fliesst und zum
Befahren genügend Wasser hat. Diesen Sommer herrscht hier in
Nordschweden Trockenheit, wie selten – wird uns auf alle Fälle
immer wieder gesagt – so dass viele Flussbette trocken sind,
oder sich nur als kleine Rinnsale zeigen. Also, am nächsten
morgen nach dem Frühstück geht’s los. Daniel bepackt
mit den Kindern den Kanadier, ich soll sie an einer ausgemachten
Stelle mit dem Wohnmobil abholen. Ich fahre dorthin, und sie kommen
nicht, und kommen nicht, und kommen immer noch nicht. Tja, der Fluss
fliesst bereits nach der ersten Kurve nicht mehr. Im Gegenteil:
Wellen und starker Gegenwind kommen auf, so dass – anstelle
eines gemütlichen Fährtleins – alle drei streng
paddeln müssen… Anschliessend wird abgekühlt. Im
eiskalten Wasser…
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8. August
Porjus: Heja Volvo…

Porjus. Am Strassenrand steht ein Dorfschild, wie hier üblich
in Schwedisch und Samisch angeschrieben. Alle Häuser ausser
dem ICA Market sind, wie gewohnt unauffällig, der Rasen glattgemäht,
die blau-gelbe Flagge weht stolz im Wind. Ein Dorf wie viele andere
Schwedische Dörfer eben auch. – Nein! Da steht ein Haus,
zwar auch wie üblich, in rotem Anstrich mit weissen Balken.
Ein Haus aber, bei dem vor lauter Details, Tafeln, Flaggen, Kabeln,
Fellen, Geweihen, Gefährten das Rot kaum mehr sichtbar ist.
Das Haus von Björn Thunborg, einem im Krieg ausgewanderten
Norweger, einem Sammler, Jäger und Händler im wörtlichsten
Sinn. Beim Eintreten in seinen Laden sieht man vor lauter Dingen
den Verkäufer nicht: Damenstrümpfe, Miniäxte, Fischerzubehör,
Lappenmesser, Postkarten, Verstärker, Samenschuhe, Rentierfleisch,
Batterien, Schmuck, Elchfelle, Djungelolja, Aussenbordmotor mit
Ersatzschraube, Sturmzündhölzer, abgelaufene Diafilme,
und wahrscheinlich haben wir dabei nur etwa einen Drittel wahrnehmen
können.
Michelle entscheidet sich dabei für das gefährlichscharfe
Lappenmesser, das sie seitdem stolz am Gürtel trägt. Als
Kontrast zu ihrer farbigen Holzkugelkette und den hellblauen Schweden-cloggs
mit Rosenmuster und den zwei blonden Pippi-Haarschwänzchen…
Wir verabschieden uns nach langem von Björn, der uns mit vielen
wertvollen Tipps auf die Reise schickt.
Zur Geduldsprobe von Kristina muss ich nach kurzem Zögern
nochmals hin. Mit meiner Kamera. Vor dem Haus sticht mir Björns
grau-mattes Volvo-Kombi ins Auge. Björn erlaubt mir, sichtbar
stolz, ein paar Fotos zu machen. Wenn ich wolle, könne ich
ihn mit aufnehmen. Das Kombi habe er gestern verkauft. Er habe das
Moos auf dem vorderen Kotflügel entfernt. Vielleicht reiche
es ihm noch für eine Politur. Ob er geprüft sei? Kein
Problem! Schliesslich handle es sich um einen Volvo, erst mit Jahrgang
1965. Das sei kein Alter. Die Karrosserie sei einwandfrei. Der Motor
kein Problem. Er habe für den Winter vor einigen Jahren eine
Startheizung für den hier doch rauen Winter eingebaut. Richtig:
ein Kabel mit Stecker, wahrscheinlich Marke ICA ragt aus dem Kühlergrill…
Heja Vicki – Heja Volvo!
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8. August
Porjus: Mücken…

Im Norden. Seit einiger Zeit plagen uns die kleinen Tierlein, auf
welche wir hier im Norden nun wirklich nicht scharf sind –
die Mücken. Uns reichen diese paar Dinger aber völlig,
könnten auf sie verzichten. Michelle ist die Befallenste von
uns allen. Wir waren zwar darauf vorbereitet, es habe gar nicht
so viele, wird uns immer wieder gesagt – es sei diesen Sommer
viel zu trocken. Sie pieksen sie überall, hinter den Ohren,
im Gesicht, an Beinen und Armen, sogar durch Jeans. Sie fliegen
sogar in Nasenlöcher...
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9. August
Kiruna: Eisenerz-Bergwerk

Heute Mittag erreichen wir Kiruna, die nördlichste Stadt in
Schweden. Unser Camper war ziemlich Ebbe, also müssen wir in
der Stadt angekommen, als erstes auftanken. 73 Liter – und
ich dachte, unser Tank fasse nur 70…
Nachdem auch unsere Mägen aufgetankt sind, fahren wir zur
Touristeninformation, da wir in Kiruna unbedingt einer Führung
im Bergwerk folgen wollen. Kurz vor 14 Uhr parkieren wir, und im
Touristenzentrum angekommen, erfahren wir, dass ein paar Minuten
eine Führung starte. Während der Chauffeur den Motor startet
suchen wir noch warme Kleider zusammen und schon sitzen wir im Car,
der uns ins Bergwerk bringt. 540m unter Tage hält der Car an.
Eine Führerin zeigt uns in einer Grube, wie dort gearbeitet
wird und wie die ganze Arbeit im Bergwerk vor über 100 Jahren
begonnen hat. Weiter erzählt sie uns, dass die Bürger
von Kiruna in den nächsten Jahren ganze Teile der Stadt verschieben
müssen, da sonst Einsturzgefahr drohe. Aber das Bergwerk ist
wirtschaftlich so wichtig und ertragreich, was eine solche Verschiebung
der Stadt notwenig macht. Nach drei Stunden erblicken wir wieder
das Tageslicht, mit einem Kopf voller Eindrücken… Erlebenswert!
Die Schweden verstehen es wirklich, Museen gekonnt zu gestalten
oder Themen multimedial aufzubereiten!
Nachdem wir den Camping auf Anhieb verpassen, landen wir bei einer
Skiliftstation. Der kurze Fusstrip auf den Luokkavaara – den
Berg des stillgelegten Erzbergwerks von Kiruna und Skihang mit drei
Liften und Scheinwerfern für die kurzen Wintertage –
wird uns durch eine herrliche Weitsicht über die Stadt und
die Weiten des Wald- und Steppenlands belohnt. Ein ungewöhnlicher
Anblick, nachdem wir uns in letzter Zeit immer IM Wald bewegt haben…
Mit Kiruna verlassen wir in Kürze Schweden in Richtung Norwegen,
freuen uns auf Neues – die Finnmark und die Tundra, damit
der nördlichste und wenigst besiedeltste Teil unserer Reise.
In diesen Gegenden werden auch die Campingplätze und somit
die Internetanschlüsse rarer werden. Darum wird es nun vielleicht
bis zum nächsten Beitrag etwas dauern.

Schweden mit seinen beinahe endlosen Wäldern hat uns sehr
gefallen und wir haben das Gefühl, wir hätten noch viel
mehr sehen können – aber dafür fehlt uns die Zeit!
Fast ein bisschen unverschämt, so etwas auch nur zu denken,
aber die eindrücklichen Kilometerzahlen auf den Wegweisern
mahnen…
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14. August
Alta: Schlangenbrot und Schokobananen



Heute sind Michelle und ich hier alleine wandern gegangen. Also
haben wir unsere Rucksäcke gepackt mit allem was man im Wald
brauchen kann. Danach sind wir mit dem Velo losgefahren und kamen
zu einem Rastplatz, wo wir die Velos abstellten. Von dort aus gingen
wir zu Fuss weiter. Wir machten viele Fotos. Nach einiger Zeit kamen
wir zu einem Plätzchen mit einer Feuerstelle. Dort sammelte
Michelle viel Feuerholz und ich machte ein Feuer. Als es genug Glut
und keine Flammen mehr hatte, backten wir ein Schlangenbrot –
wieder einmal ein gutes Brot… Danach grillten wir noch eine
Schokoladebanane. Nachdem machten wir ein Riesenfeuer. Als das Feuer
runtergebrannt war, gingen und fuhren wir wieder zurück zum
Camper.
Von Rafael
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Hier noch ein paar weitere Bilder die ich unterwegs fotografierte.




Hier noch ein paar weitere Bilder die Michelle unterwegs fotografierte.






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14. August
Alta: Frische Weitsicht


Während unsere Kinder ihre Wanderung unten am Altaelva –
Elva gleichbedeutend mit Fluss – unternehmen, zieht es uns
«Alten» doch eher in die Höhe. Alta liegt in einem
Delta, am Meer, mitten in den Bergen. Ringsherum hat es Hügel,
die erklommen werden können. Von unserem ausgewählten
«Berg», dem Komsa, sehen wir auf ein wunderschönes
Panorama hinunter. Fjorde nennt man das, Berge, die aus dem Meer
ragen. Meeresarme, die sich ins Landesinnere drängen. Diese
Landschaft wird uns die nächsten Wochen begleiten – wir
sind definitiv aus dem Wald gekommen!
Alta liegt etwa 200 km südlich vom Nordkap entfernt; wir sind
also bald am nördlichsten Punkt unserer Reise angelangt. Man
spürt es, der Polarwind weht uns durch Haut und Knochen, was
Rafael und Daniel nicht abhält, mit dem Kanadier noch den besagten
Altaelva hinunter zu paddeln. Endlich ein Fluss, der genügend
Wasser hat. Das kann Mann sich doch nicht entgehen lassen! Die Sommerkleider
haben wir fürs erste zuhinterst in unseren Schränken verräumt
und dafür die Thermowäsche hervorgeholt. Uns ist’s
recht, so können wir die Türen und Fenster wieder verschlossen
halten und somit die Mücken aussperren – sofern es noch
welche hat…
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19. August
N 70° 59' 43,5" E 24°40'18.4"

Wir verlassen Alta, um den nördlichsten Punkt unserer Reise
zu erreichen. Wir entscheiden uns, das Nordkapp nicht zu besuchen.
Havøysund, etwas weniger bekannt, liegt 30 Kilometer südwestlich
vom Nordkap.
Bei schönstem Wetter kurven wir den Fjorden entlang. Blaues
Meer, karge Berge, ab und zu ein Fischerdorf. Wachsen tut hier nichts
mehr. Die Gärten der Häuser sind leer, nur Rasen wächst
und wird säuberlich gepflegt. Jeder Garten ist eingezäunt,
damit er nicht von Rentieren zertrampt und kahlgefressen wird. Rentiere
tummeln sich hier im Moment überall.
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19. August
Havøysund

Abends erreichen wir Havøysund, finden ein Plätzchen
direkt am Meer und freuen uns auf den ersten Sonnenuntergang bei
freier Sicht aufs offene Meer. Aber – au weja – schon
kurz nach dem Abendessen muss Daniel sein Stativ für den Sonnenuntergang
bereitstellen. Ja, richtig, die Sonne geht hier nun bereits um 21.40
Uhr unter… soviel zum Thema Mitternachtssonne! Die haben wir
definitiv verpasst. Die Nächte werden wieder länger –
um 21 Uhr brauchen wir bereits Licht, um die Jasskarten zu erkennen.
Ja, es ist Herbst geworden. Die Tage sind merklich kühler,
die Wollpullover – die Norwegischen – locken zum Kauf;
die wärmen. Auch die Heizung muss jetzt ab und zu eingeschaltet
werden…
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18. August
Havøysund: Mein erster Fisch

Havøysund ist der nördlichste Punkt der Reise. Rafael
und ich gehen mit dem Velo an den Hafen fischen. Plötzlich
krümmt es meine Angelrute und ich kurble die Schnur rauf. Es
hat sehr hart zum kurbeln! Jupiii, ein Fisch hat angebissen! Er
zappelt sehr! Ich schlage ihn an den Boden und er stirbt. Jupiii,
der erste Fisch zum Essen! Mama nimmt den eher kleineren Fisch von
mir aus (Fischausnehmen – Anm. der Red.) und dann auch den
eher Grösseren von Rafael. Es sieht sehr eklig aus, wie Mama
die Innereien rausnimmt! Rafael hat schon seine drei Fische von
gestern ausgenommen. Der Fisch hat geschmeckt!
Von Michelle



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23. August
Tromsø: Wendepunkt




Langsam geht es – nach Halbzeit unserer Reise – südwärts,
wieder dem Polarkreis entgegen, via Hammerfest fahren wir nach Tromsø.
Die Hauptstrasse «E6» schlängelt sich dem Wasser
entlang. Zum Teil fahren wir Strecken wie Gunten – Interlaken
am Thunersee, jedoch über Hunderte von Kilometern. Da wird’s
sogar Rafael beim Harry-Potter-Lesen ab und zu mal schlecht. Aber
man muss ja auch nicht immer lesen. Mittlerweile ist er bei «Band
5» angelangt und er muss sich nun an eine 50-Seiten-Tageslimite
halten…

Rafael ist aber nicht nur am Lesen, jetzt hat er auch seine ersten
essbaren Fische gefangen. Das ist auch gut so, denn Norwegen ist
wirklich sauteuer. Fleisch und Käse ist, verglichen mit Schweden,
fast unbezahlbar (darum haben wir auch etwas FleischKäse aus
der CH dabei…), der Diesel kostet im Land der Erdölförderung
umgerechnet mehr als zwei CH-Franken, in Tromsø kostet sogar
der Kirchenbesuch… Für wohltätige Zwecke? Genug
gejammert! Mit Tromsø lernen wir wiedermal eine Stadt kennen,
die als Stadt zum Verweilen einlädt: Alte bunt-farbige Häuser
wechseln sich mit topmodernen Bauten ab, was sehr eindrückliche
Strassenbilder ergibt. Dass diese Fassaden in der herbstlich warmen
Sonne einladend leuchten, schätzen wir umso mehr, als dass
unsere Hände beim Velofahren vor Kälte schon so etwas
wie zu schmerzen beginnen… Wie in Skandinavien schon mehrmals
erlebt, verstehen es die Nordländer ihre Geschichte und Spezialitäten
mit Museen in Perfektion darzustellen. So lassen wir uns in Tromsø,
auch «Tor zur Arktis» genannt, im «Polaria-Museum»
von Bart-Robben und packenden Polar-Filmen à la Mystery Park
faszinieren. Norwegen ist wirklich wunderschön, wir lassen
uns gerne weiter von diesen Landschaften verzaubern.
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29. August
Bleik– Vesterålen: Toblerrone?
Matterhorn? Bleiksøya!

Unser erster Schlafplatz auf Vesterålen ist eingerichtet.
Direkt hinter der letzen Düne am weissen Strand. Wir sehen
uns wiedermal kaum satt am wolkenlosen Blau des mit kreischenden,
nach Beute kreisenden Seemöven bespickten Himmel und warten
auf das Abtauchen des glühenden Balls im Meer. Und da, was
im Gegenlicht aus dem Meer ragt, gleicht wirklich einer Werbekampagne
von Zermatt Tourismus oder Tobler Schokolade. Der 160 Meter hohe
Bleiksøya. Das lokale Naturschutzgebiet. Die Heimat zahlloser
seltener Vogelarten…
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30. August
Andenes: Strandferien…

Seit einigen Tagen sind wir in Andenes, der nördlichste Punkt
auf der Insel Andøy gehörend zur Inselgruppe Lofoten/Vesterålen.
Wieder einmal sind wir am Ende der Welt angelangt. Von Andenes aus
sieht man Richtung Westen nur noch Meer. Und was für ein Meer!
Das ist das erste Mal, dass wir aufs offene Meer hinausschauen,
soweit das Auge reicht. Andenes ist ein wunderschönes Dorf,
was uns aber besonders gefällt, ist das Meer mit dem weissen
Sandstrand. Der Sand ist so weiss, man könnte sich in Sardinien
fühlen, das Meer ist so klar blaugrün, auch das erinnert
eher an den Süden Europas. Das Glück will es, dass die
Temperaturen auf nordsommerliche 20 Grad steigen, und wir die Tage
hier an der Sonne und frischen Luft in vollen Zügen geniessen.
Michelle und Rafael sind die ganze Zeit mit Muscheln sammeln beschäftigt.
Sie gehen immer wieder den kilometerlangen Sandstrand entlang und
kommen mit ihren Schätzen zurück, welche sie erst waschen,
dann auf Tisch und Badetuch säuberlich ausbreiten. Ihre Sammlung
ist beachtlich. Wir leeren ihnen eine Kiste, damit sie ihre Muscheln
mitnehmen können.

Die Inselgruppe Lofoten/Vesterålen sind bekannt für
ihre kargen Berge, die bis 1200m aus dem Meer bizarr in die Höhe
ragen. Dazwischen sind grüne Wiesen und eben – feiner
weisser Sandstrand. Diese Kombination mache die Lofoten zu einem
Herzstück Europas. Wir lassen uns gerne verzaubern, denn das
wenige, dass wir bisher von den Lofoten/Vesterålen gesehen
haben, ist wirklich diese Beschreibung wert. Wir freuen uns jetzt
darauf, den Süden der dieser Inselwelt zu besuchen...
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6. September
Moskenes: Lofoten und die Stockfische



Beim Begriff Lofoten wurden mir bis jetzt immer dieselbem Bilder
abgerufen. Bizarre Felsen, die schroff aus dem Meer ragen. Holzgestelle,
wo Kabeljaus an den Schwänzen hängen und zum Trocknen
in den Boden starren. Bunte Fischerboote, die kontrastreich in dunklen
Buchten vor Anker liegen.
Die Landschaft und die Berge sind bilderbuchhaft. Das stimmt. Weil
uns die Karg- und Rauheit des hohen Nordens tief beeindruckte, aufwühlte
und uns immer noch sehr präsent ist, finden wir es einfach
«postkartig».
Holzgestelle, meist in dreieckiger Form gebaut, finden wir in den
allermeisten Fischerdörfern prominent auf den Hügeln,
den Winden ausgesetzt. Das stimmt. Ohne Fische. Die würden
nur im Frühjahr gefangen und bis Mitte Juni zum trocknen aufgehängt,
lassen wir uns belehren und schauen uns die vollen Gestelle im Souvenirshop
auf den Postkarten an. Ein einziger Stockfisch ist noch übriggeblieben.
Er hängt an der Türe desselben Souvenirshops – der
jetzt nur noch bis um 14 Uhr geöffnet ist. Er sieht, von der
intensiven, hinter ihm liegenden Sommersommersaison ziemlich gezeichnet
aus. Daneben liegen verschiedene Hinweistafeln mit der Inschrift
«ledige Rorbuer», was übersetzt etwa «freie
Unterkünfte in Fischerhütten» heisst, am Boden.
Nachsaison. Wir sind froh, in dieser verschlafenen Zeit hier zu
sein. Wir wollen uns den Camperstrom in den Sommermonaten nicht
bildlich vorstellen. Aber eben: in solchen malerischen Fischerdörfern
ist das ursprüngliche Erwerbs- und Sozialleben nicht mehr so
attraktiv. Verständlich. Da werden, um die Kronen zu verdienen,
die Fischerboote halt besser als «Lofotcruisers» und
die traditionellen Fischerhütten als Unterkünfte angepriesen.
Das frühere Leben kann ja dann in den – wie schon früher
in diesem Blog erwähnt – schön aufbereiteten Museen
bewundert werden.
Übrigens: Bunte Fischerboote liegen kontrastreich vor Anker.
Das stimmt auch. Den Kontrast bilden im Moment Nieselregen und durch
den rauen Seewind schnell vorüberziehende Nebelschwaden.
So wissen wir nun auch wie das aussieht...
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10. September
Trondheim: Kontraste




Mit der Fährpassage von den Lofoten nach Bodø an die
norwegische Küste kehren wir dem rauen, naturgewaltigen, kargen
aber ruhigen Norden den Rücken. Aufbruch. Weil sich der Abfahrtstag
– und die drei folgenden Tage auch – grau und mit leichtem
Nieselregen präsentieren, entscheiden wir uns für Reise-
Schulunterrichts- und Spieltage mit dem Etappenziel Trondheim und
schliesslich wieder Schweden.
Nach sechshundert Kilometern Autofahrt in Trondheim angelangt,
freuen wir uns auf den ausgedehnten Stadtbummel. Die Ankunft in
der Zivilisation kommt abrupt: Hier muss man Parkplätze suchen!
Ach ja, und dazu gehört ja auch noch das Füttern der Parksäulen…
Wie schnell man doch solche Manieren vergessen kann… Die Geräuschkulisse
ist durch Autobrummen statt durch das Krächzen der Seemöwen
geprägt… Der typische Hafengeruch, ein Gemisch von Meersalz,
Schmieröl und zu flickenden Fischnetzen ist weg… Und
beim Anstehen in einem rot-gelben Fastfood-Lokal wird mir bewusst,
wie unsere Outdoor-Kleider, Trekkingschuhe und mein Mehrtagebart
auffallen… Trondheim gefällt uns. Eine schöne, gepflegte
Stadt, die zum Verweilen einlädt. Aber irgendwie kommen wir
uns – nach dem Hohen Norden – trotzdem wie «im
falschen Film» vor…
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11. September
Fjäll: Wieder im Wald…


Wir fahren weiter, Richtung schwedischer Grenze. Die Fjäll-Landschaft
nach dem Abzweigen von der «E6» – der norwegischen
Nord-Süd-Strasse schlechthin – kommt uns wie ein erneutes
Abtauchen in die unberührte Natur vor: Fichten und hellgraue
Moosteppiche soweit das Auge reicht…
Zum Übernachten suchen wir uns nochmals ein ruhiger Platz
im Wald an einem See wie bei Winnetou und Co. (nun wieder mit Sonnenuntergang…);
für das Lagerfeuer wird Holz mit dem Boot geholt und ein Sprung
ins kalte Nass ersetzt die warme Dusche.
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12. September
Mora: Siljansee und die roten Rösslein…

Wir verbringen schöne Tage in Mora, geniessen sie, können
uns aber nicht mehr so recht von diesem lieblichen Mittelschweden
rund um den Siljansee begeistern lassen. Gar ordentlich scheint
es uns, «gepützerlet», und sehr nah liegen die
einzelnen Dörfer beieinander. Wir kommen uns vor, wie in der
heilen Welt Astrid Lindgrens… Vielleicht wäre der Eindruck
von diesem Bezirk – Dalarna – anders gewesen, wenn wir
diese Gegend am Anfang unserer Reise besucht hätten.
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19. September
An den Schären der Westküste


Nun ja – wir suchen uns ein anderes Ziel und finden es auch:
Wir fahren in die Schärenwelt an der Westküste nördlich
von Göteborg. Dies entspricht uns mehr und wir lassen uns nochmals
verzaubern: karge Inseln ragen aus dem rauhen Meer, bedeckt mit
Erika und weissem Moos, soweit das Auge reicht. An Buchten und schönen
Landzungen befinden sich malerische Fischerdörfer, die allerdings
heute ausschliesslich von Touristen bewohnt werden. In der Nachsaison,
die nun ganz deutlich herrscht, pulsiert das Leben nicht mehr, so
dass es sehr ruhig auf uns wirkt, um nicht zu sagen ausgestorben…
Wir geniessen diese Tage, die Kinder mit Erklettern vieler Schärenklippen,
Daniel und ich mit langen Spaziergängen...
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22. September
Götegorg: Zurück in der Grossstadt…

Das letzte Abenteuer unserer Reise? Wir stürzen uns so richtig
in die Grosstadt-Atmosphäre. Für uns zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig:
Völlig naiv geben wir unserem GPS die Strasse der Touristeninfo
ein (eine Fussgängerzone), damit wir direkt hingelotst werden.
Tja – was uns erst etwas später bewusst wird: unser Gefährt
ist in der Stadt wirklich ungelenker als in der Prärie…
dass man vielleicht nicht gerade direkt vor jedem Haus parkieren
kann. In Bern kann man ja auch nicht einfach so vor dem «Du
Théatre» anhalten... Wir finden trotzdem mit Glück
einen Parkplatz und erhalten nicht mal eine Busse. Im Innern der
Stadt werden wir anfangs fast überrumpelt, nicht vom Verkehr,
sondern von den Menschen. Wir sind uns das nicht mehr gewöhnt.



Wir können nur staunen… Dieses Tempo. Diese Mode. Diese
geschminkten Gesichter. Diese Schaufenster. Diese Einkaufsquartiere…
Trotzdem freuen wir uns auf die kommenden Tage. Wir lösen für
48 Stunden einen «Göteborgpass», mit welchem wir
freie Fahrt auf allen öffentlichen Verkehrsmitteln, freien
Eintritt in alle Museen und den Liseberg haben. Wir stürzen
uns ins Abenteuer.
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22. September
Göteborg: Liseberg, wir kommen…

Wir gingen in einen Vergnügungspark und der hiess «Liseberg».
Mama und Papa kauften mir einen Tagespass. Mit dem Tagespass durfte
ich auf alle Bahnen gehen, soviel ich wollte.
Ich ging auf die «Balder»-Bahn – eine riesige,
rasende Achterbahn aus Holz; auf die «Kanonen» –
eine Bahn mit Schrauben und Loopings; auf die «Lisebergbanan»
– eine Bahn, wo du denkst, es sei ein mieses Tschutschu-Bähnchen
(…) und auf den «Circus-Expressen» – eine
Bahn, die nur eine Acht dreht und, was mich erstaunte, schon dort
Leute kreischten… Ich ging noch auf andere verschiedene lustige
Sachen wie Autokreisel, Putschautobahn, Einbaum-Wasserbahn und «Kållerado»
– eine Wildwasser-Bahn. Dort wurden wir ziemlich nass! Um
22 Uhr ging der Park zu. Danach hatten wir alle Hunger und Durst.
Vorher assen wir ja nicht viel, wir hatten etwas Angst, dass wir
das Essen «rückwärts kauen» würden…
Darum gingen wir noch in den McDonald. Um Mitternacht gingen wir
dann zu Bett. Als Erinnerung an diesen Tag, auf den ich so lange
gewartet habe, kaufte ich mir grün-rosa Aufsteckohren. So sehe
ich nun aus wie das «Liseberg»-Häschen…
von Michelle





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22. September
Göteborg: Universum


Letzten Donnerstag gingen wir ins Universum. Das Universum ist
ein Museum mit zwei Teilen. Im ersten Teil ging es um Fische, Regenwald
und Schlangen. Im zweiten Teil um Sport, den Körper, das Weltall
und den Verkehr. Im Universum ging man zuerst mit einem Bähnlein
hinauf zu den Fischen. Dort hatte es erst kleine Fische in kleinen
Aquarien (etwa 2 mal 2 Meter). Danach kamen immer grössere
Fische in grösseren Aquarien, bis zu mittelgrossen Haien, etwa
4 m lang, in einem riesengrossen Aquarium, das etwa so gross war
wie eine ganze Wohnung. Danach gingen wir durch den Regenwald in
den zweiten Teil des Museums.
Im zweiten Teil des Museums hatte es zwei grosse Räume. Im
ersten Raum ging es um Sport und Verkehr. Dort hatte es Simulatoren
von einem Motorrad und zwei Autos. Weiter konnte man sich in verschiedenen
Sportarten messen, beispielsweise bei Schnelllauf, Torhüter,
Rudern und Kanufahren. Im hinteren Teil des Raumes befanden sich
zwei Autos und ein halber Lastwagen. Später sind wir in den
oberen Raum gegangen. Dort ging es um den menschlichen Körper
und das Weltall.
Am spannendsten und schönsten fand ich den Regenwald und das
Haie-Aquarium.
von Rafael



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24. September
Malmö: Zurück am Anfang…

So – das ist wohl unser letzter Bericht aus dem hohen Norden,
denn wir sind gar nicht mehr so hoch im Norden… Unsere Reise
neigt sich dem Ende zu. Rundreise beendet. Malmö. Die schwedische
Gasflasche verkaufen, den letzten ICA (Schwedens omnipräsente
Einkaufskette von Stockholm über Jokkmokk bis Gräddede…)
besuchen, letzte Einkäufe tätigen. Abschied nehmen. Anschliessend
geht’s definitiv südwärts. Wir wollen noch ein wenig
von Norddeutschland sehen: Die Schifffahrtsambiente von Cuxhaven
und Bremerhaven.
Am ersten Oktober werden wir in Worben eintrudeln und uns zwei
Tage später wieder von unserem Gefährt – das uns
in den vergangenen Wochen das «Zuhause» geworden ist
– trennen…
Ein aussergewöhnliches Märchen geht zu Ende. Und wenn
sie nicht verzaubert werden, dann reisen sie bald wieder…
Danke für Eure treuen Besuche auf dieser Site, Eure Kommentare,
Mails, SMS, die wir immer mit Freude und Genuss gelesen haben! Sorry,
wenn wir nicht alle Messages umgehend oder überhaupt beantwortet
haben!
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Tack så mycket!
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